Wellness auf Baierisch – meditieren in der Gradieranlage

Es plätschert leise. Ein Geruch nach feuchtem, würzigen Holz liegt in der Luft. Es ist dunkel und kühl. Ich sitze auf einer hölzernen Bank und atme die feuchtigkeitsgetränkte Luft tief ein und aus. Angenehm. Im Inneren der Gradieranlage in Bad Wörishofen herrscht tiefes Schweigen. Dann höre ich von außen Stimmen. Kurgäste, die sich über ihre Anwendugen austauschen. Sie kommen zum Eingang, gehen nach innen und wandern langsam, ruhig einmal im Kreis herum. Dann gehen sie wieder. Ich atme tief, versinke erneut in Schweigen.

Foto H.Klug

Ein Gradierwerk ist eigentlich eine Anlage zur Salzgewinnung. Solche Anlagen gibt es seit altersher. Sie bestehen aus Holzgerüsten, die mit Reisigbündeln gefüllt werden. Diese Werke hatten im Mittelalter die Aufgabe, die in unseren Breiten nicht vorhandenen Verdunstungsflächen, die Salinen zu ersetzen. Über diese Ständer aus Fichtenholz und Schwarzdorn ließ man das salzhaltige Wasser wieder und wieder laufen. Durch die feine Verästelung der Zweige ergibt sich eine optimale Verdunstung.

Foto H.Klug

Die über die Ständer herabrieselnde Sole reichert die Luft mit Salz und ätherischen Ölen an. Das Einatmen dieser salzgetränkten Luft wirkt vitalisierend auf Menschen mit Ermüdungserscheinungen, reinigt und beruhigt die Atemwege, lindert Beschwerden und Entzündungserscheinungen. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, verwendet man in Bad Wörishofen 26,7 prozentige Natursole und örtliches Quellwasser. Um die aromatische Wirkung zu verstärken, wurde für die Reisigbündel das besonders aromatische Holz des Schlehdorns gewählt.

Wer alleine und in Ruhe meditieren möchte, sollte seinen Besuch in der Gradieranlage allerdings geschickt wählen. Morgens, wenn die Kurenden ihre Anwendungen haben und abends, wenn sie in ihren Unterkünften, Hotels und Pensionen ihr Abendessen genießen, ist man ungestört.