Giorgio Armani, der Perfektionist der Eleganz

„In einen Modeblog gehört ein Artikel über Giorgio Armani“, meint meine Kollegin Verena und mailt mir ein Foto ihrer neuesten Errungenschaft. Ein schwarzes Seidenkleid des italienischen Altmeisters. Wunderbar schlicht und elegant. Trotzdem fällt es mir schwer über Armani zu schreiben. Woher kommt der Widerstand? Nicht, daß mir seine Mode nicht gefällt. Im Gegenteil, meine Armani Jeans sitzt so gut, daß ich sie wohl tragen werde, bis sie ausseinanderfällt.

Foto privat

Aber etwas stört mich. Es ist die aggressive Werbung für den Duft „Armani Code“. Es klingt, und das ist offenbar beabsichtig, als habe der italienische Designer das Gott Partikel neu erfunden. Das geht mir persönlich zu weit und ich bin jedesmal genervt, wenn der Spot gesendet wird.

In den achtziger Jahren war Giorgio Armani dagegen eindeutig mein Lieblingsdesinger. Seine elegant schlichten Damenblazer waren der Inbegriff italienischer Eleganz und Lebensart. Besonders lässig wirkten sie, wenn man die Ärmel hochkrempelte und das der Herrenmode nachempfundene dezent gestreifte seidene Innenfutter zum Vorschein kam. Meine erste Begegnung mit dieser Mode fand im Frankfurter Westend statt  Auf einer Einweihungsparty trug meine Freundin Barbara einen sensationell gutgeschnittenen Blazer zu ihrer Jeans. Er war von Armani.

In den achtziger Jahren gab es keine Businesskleidung für Frauen. Es gab Jeans und Pullis und es gab Rüschenblusen. Ein Faible für Mode war vor allem in Journalistenkreisen ein ziemliches Problem. Kleidete man sich zu schick, setzte man sich sofort dem Verdacht aus, unemanzipiert und nicht am beruflichen Erfolg interessiert zu sein.

Die Lösung kam aus Italien, schlichte und unterkühlte Eleganz in dezenten Farbtönen. Perfektes Understatement. Es gab zwei Namen, die diesen Stil perfekt verkörperten: Giorgio Armani und später Jil Sander. Weltruhm erlangte Armani, indem er Richard Gere für den Film „American Gigolo“ einkleidete. Als auch noch Melanie Griffith in „Die Waffen der Frauen“ (Working Girls) in maßgeschneiderten Armani-Blusen, hauteng geschnittenen Bleistiftröcken und High Heels zum großen Karriersprung ansetzte, stürmten die Frauen die Läden. Der neue Business Look wurde zum Inbegriff modernen Lifestyles. Wer es geschafft hatte oder zumindest so wirken wollte, trug Armani. War das eigene Budget dem hochpreisigen Original nicht gewachsen, suchte man händeringend preisgünstigere Kopien.