3. März – Internationaler Tag des freien Sonntags

Mal eben am Sonntagmorgen frische Brötchen kaufen, lecker und genussvoll in eine knusprige Breze beißen, ist das nicht klasse? Seit Jahren haben wir uns an eine neue zivilisatorische Errungenschaft gewöhnt. Viele Bäcker haben Sonntagmorgen für einige Stunden geöffnet. Das bedeutet für das Team in der Backstube nachts aufstehen, all die Köstlichkeiten vorbereiten und in die Backöfen schieben. Sonntagsarbeit. Bundesweit machen sich in der Früh tausende Angestellte auf den Weg in die Arbeit, um frisches Gebäck und süße Leckereien in den Läden zu verkaufen.

Erfolgreiche Großunternehmen fangen Produktionsengpässe immer stärker mit Sonntagsarbeit ab. Tausende Schichtarbeiter können inzwischen nicht mehr mit einem freien Wochenende oder zumindest einem gesicherten freien Sonntag rechnen. Die Familie bleibt da oft auf der Strecke.

In Bayern sind die sogenannten „Marktsonntage“, verkaufsoffene Sonntage in den letzten 25 Jahren um 70 Prozent angestiegen. Seit Jahren finden Unternehmer immer wieder gute Gründe um Sonntagsarbeit zu beantragen.  Die Aufweichung des arbeitsfreien Sonntags begann Mitte der Neunziger Jahre. Damals wurde mit dem $13,5 des Arbeitszeitgesetzes erstmals ein Instrument eingeführt, das die Sonntagsarbeit aus rein wirtschaftlichen Gründen gestattete. In manchen Branchen wird diese Ausnahme immer mehr zur Regel. Die Folge sind gesundheitliche Störungen der Arbeitnehmer gerade in den Betrieben, in denen Schichtarbeit und körperliche Arbeit Hand in Hand gehen. Dazu kommen soziale Folgen in Form von nicht mehr planbarer Erholung, nicht mehr planbarem Familienleben und körperlicher Überlastung.

„Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktag“ sagen die Kirchen, sagt die inzwischen gegründete Sonntagsallianz aus KAB (kath. Arbeitnehmerorganisation), AFA und KDA (evangelische und weitere Unterstützerorganisationen) sowie die Gewerkschaft VERDI. Zweimal hat der Bundesgerichtshof in den letzten Jahren Urteile gefällt, die den arbeitsfreien Sonntag besser schützen sollen. Doch noch immer wird von Unternehmerseite kräftig daran gerüttelt. Vor allem der Einzelhandel macht sich stark, aus Angst Käufer an jederzeit verfügbare Internetshops zu verlieren. Der Mensch wird so zum jederzeit verfügbaren, jederzeit einsetzbaren Produktionsmittel. Vom Subjekt zum Objekt.

Dabei hat der arbeitsfreie Sonntag eine lange historische Tradition. Am 3. März 321 nach Christus erließ Kaiser Konstantin ein Edikt, das zum ersten Mal den „Tag der Sonne“ zum arbeitsfreien Tag machte. Die Sonntagsallianz hat nun die Zahlen der letzten Jahre ausgewertet. Durch Sonntagsarbeit wurde kein einziger Arbeitsplatz neu geschaffen. Für ein bisschen mehr Einkaufsspaß mussten und müssen unzählige Menschen auf einen sicheren freien Tag verzichten. Das bedeutet mehr Stress. Denn der Mensch braucht Pausen um frei, gesund und kreativ arbeiten zu können.

logo_edudip_small-20150616